telc oder Goethe: Welche Prüfung ist die richtige für mich?
Lass mich raten: Du willst ein offizielles Deutschzertifikat, aber weißt nicht, welche Prüfung du ablegen sollst? Als telc-Prüferin werde ich oft gefragt: „Soll ich telc oder Goethe machen?" Auch gibt es Gerüchte, dass Goethe schwerer sein soll. Dabei ist die Antwort einfacher, als du denkst.
Die kurze Antwort
Goethe, wenn du das Zertifikat für eine Universität oder eine prestigeträchtige Institution brauchst.
telc, wenn du einen praktischen Nachweis für Arbeit, Aufenthalt oder Einbürgerung brauchst oder wenn du flexibler bei Terminen und Prüfungsorten sein willst.
Beide Prüfungen sind international anerkannt. Beide folgen dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen (GER). Für die meisten Zwecke sind sie gleichwertig. Der Unterschied liegt im Detail.
Ja, und was ist nun der Unterschied.
Goethe-Zertifikat
Das Goethe-Institut ist weltweit bekannt und genießt einen exzellenten Ruf. Im Grunde genommen gibt es in jedem Land dieser Welt mindestens ein Goethe Institut. Es ist quasi die deutsche Botschaft der deutschen Sprache. Die Prüfungen gelten als akademisch und daher anspruchsvoll. Viele Universitäten im deutschsprachigen Raum bevorzugen das Goethe-Zertifikat und manche verlangen es sogar ausdrücklich.
Vorteile:
Hohes Prestige, besonders im akademischen Bereich
Weltweit an Goethe-Instituten verfügbar
Einheitliche Standards überall
Nachteile:
Weniger Prüfungstermine
Oft teurer
Längere Wartezeiten auf Ergebnisse
telc-Prüfung
telc steht für „The European Language Certificates" und ist allem voran in Europa weit verbreitet. Die Prüfungen sind praxisorientiert und werden von vielen Arbeitgebern, Behörden und Bildungseinrichtungen anerkannt. Besonders in der Schweiz ist telc sehr etabliert. Für die Schweiz hat telc sogar eine eigene Prüfung gestaltet, die A2-B1 skalierte telc Deutschprüfung.
Vorteile:
Mehr Prüfungstermine und Prüfungszentren
Oft günstiger als Goethe
Schnellere Ergebnisse
Praxisnahe Aufgaben in Alltagsdeutsch
Nachteile:
Weniger bekannt außerhalb Europas, wobei der Bekanntheitsgrad stetig steigt und zur aktiven Konkurrenz von Goethe geworden ist
Für manche Universitäten oder Institutionen nicht ausreichend
Welche Prüfung für welches Ziel?
Du willst an einer deutschen Universität studieren
Prüfe zuerst die Anforderungen deiner Wunschuniversität. Viele akzeptieren sowohl Goethe als auch telc auf C1-Niveau. Für besonders renommierte Universitäten oder bestimmte Studiengänge kann das Goethe-Zertifikat C2 verlangt werden. Auch der TestDaF wird an vielen Universitäten gefordert. Informiere dich zuerst bei der Institution, was bevorzugt wird.
Tipp: Die „telc C1 Hochschule"-Prüfung ist speziell für den Hochschulzugang konzipiert und wird deshalb von vielen Universitäten anerkannt.
Du brauchst ein Deutsch-Zertifikat für die Arbeit
Für Arbeitgeber spielt es meistens keine Rolle, ob du Goethe oder telc hast. Beide beweisen dein Sprachniveau. Hier würde ich zur telc-Prüfung raten, da mehr Termine, schnellere Ergebnisse und preislich günstiger.
Du willst dich einbürgern lassen
Für die Einbürgerung in den DACH Ländern werden Goethe und telc akzeptiert. In der Regel reicht in Deutschland sowohl Goethe als auch telc mit B1 Niveau. In der Schweiz wird je nach Kanton B1 oder B2 gefordert. Dort gibt es zusätzlich auch den skalierten fide-Test in A1-A2 oder A2-B1, ein Sprachtest, speziell konzipiert vom Schweizer Migrationsamt. Dieser wurde vor allem für geflüchtete Menschen entwickelt, die teils Lernschwierigkeiten mitsichbringen. Meine Empfehlung: Informiere dich bei deiner zuständigen Behörde über die genauen Anforderungen.
Du machst es für dich selbst
Dann nimm die Prüfung, die dir besser passt. Mache je einen Modelltest und probiere die Prüfung aus. Im Unterricht sage ich immer zu den Teilnehmenden: Einem Fisch wird es schwer fallen einen Berg zu besteigen, ebenso wie es einer Bergziege schwerfallen wird im See zu schwimmen. Am Ende muss man selber herausfinden, was besser zu einem passt. Hinzu kommen vielleicht noch andere Überlegen: Welche Termine sind verfügbar? Wo kannst du die Prüfung ablegen? Wie viel willst du ausgeben? Am Ende zählt Resultat, nicht der Name auf dem Zertifikat.
Wie unterscheiden sich die Prüfungen inhaltlich?
Beide Prüfungen testen auf allen Sprachstufen von A1 bis C2 dieselben vier Kompetenzen: Lesen, Hören, Schreiben, Sprechen. Die Struktur ist ähnlich, aber nicht identisch. Insbesondere die C1 und C2 Prüfungen unterscheiden sich stark zwischen telc und Goethe.
Leseverstehen
Goethe-Texte sind tendenziell akademischer und literarischer. telc-Texte sind oft alltagsnäher und praxisbezogener.
Hörverstehen
Beide verwenden authentische Hörtexte. Sowohl Goethe als auch telc wird als anspruchsvoll in Tempo und Komplexität empfunden.
Schreiben
Hier gibt es Unterschiede. Bei telc B2 hat man nur eine Schreibübung. Man muss eine formelle E-Mail mit circa 150 Wörtern schreiben, wobei man zwischen einer Beschwerde oder Informationsbitte wählen darf. Auf den Schreibteil kann man sich besonders gut vorbereiten in der Prüfungsvorbereitung.
Die Goethe B2 Prüfung hat 2 Schreibaufgaben. Hier muss einen Forumsbeitrag zu 150 Wörtern und eine Nachricht zu 100 Wörtern schreiben.
Meine Erfahrung als Prüferin: Viele Kandidaten unterschätzen den schriftlichen Teil. Hier fallen die meisten in beiden Prüfungen durch. Jemand der gut schreiben kann, dem ist egal ob eine oder zwei Aufgaben schriftlich zu verfassen hat.
Sprechen
Bei telc sprichst du mit einem Partner (einem anderen Prüfungsteilnehmer). Bei Goethe gibt es je nach Niveau Einzel- oder Paarprüfungen. Manche Menschen bevorzugen die Paarprüfung, weil sie sich natürlicher anfühlt. Andere mögen sie nicht, weil sie vom Partner abhängig sind.
Meine ehrliche Empfehlung
Nach über 3.000 Unterrichtsstunden und unzähligen Prüfungen, die ich abgenommen habe, sage ich meinen Schülern Folgendes:
Nimm die Prüfung, die zu deinem Ziel passt.
Wenn die Universität Goethe verlangt, mach Goethe. Wenn du flexibel bist und schneller ein Ergebnis brauchst, mach telc. Jedoch frage immer bei der Institution nach, welches Zertifikat erwartet wird.
Was ich aber auch sage: Die Prüfung selbst ist nicht das Problem. Ausschlaggebend ist die Vorbereitung. Wer gut vorbereitet ist, besteht beide Prüfungen. Wer nicht gut vorbereitet ist, fällt bei beiden durch. Ja, so einfach ist das am Ende!
Der Unterschied zwischen Bestehen und Durchfallen liegt selten am Prüfungsformat. Er liegt daran, ob der Prüfling mit der Struktur vertraut ist, die typischen Aufgaben geübt hast und weiß, was die Prüfer sehen wollen. Immer wieder sitzen Prüflinge vor mir, die zuvor noch keinen einzigen Blick in die Prüfung geworfen hatten. Die allermeisten von denen fallen schnurstracks durch! Deshalb eine gute Prüfungsvorbereitung ist bereits die halbe Prüfung.
Noch unsicher?
Jeder Mensch ist anders. Jeder Lernweg ist anders. Wenn du nicht weißt, welche Prüfung für dich die richtige ist, können wir das gemeinsam herausfinden. In einem kurzen Gespräch klären wir dein Ziel, dein aktuelles Niveau und welche Prüfung am besten passen würde.