Wie sagt man “I love you” auf Deutsch?

Die deutschsprachigen Länder—die Schweiz, Österreich und Deutschland—sind sicherlich für vieles bekannt, aber nicht für Leidenschaft und Romantik. Man möge hierbei nicht an die Romantik denken, denn diese bezieht sich auf eine kulturgeschichtliche Epoche, die in Deutschland etwa von 1795 bis 1835 anhielt und fast ganz Europa und Nordamerika einnahm. Kurz gesagt kann man sie als idealistische Gegenbewegung zur Aufklärung ansehen, denn die einstigen Romantiker:innen himmelten vor allem die Natur und ihre Schönheiten an, weniger die hingebungsvolle Liebe per se.

Was bleibt, ist eine gewisse Zurückhaltung—und die spiegelt sich auch in der deutschen Sprache wider. Im Deutschen wiegt “Ich liebe dich” schwer. Es handelt sich dabei um drei Wörtchen, die man nicht einfach mal so, leichtfertig nebenher ausplappert. Während im Englischen das “I love you” so ziemlich jedem und allem geschenkt wird und recht schnell von der Zunge rollt, bleibt das deutsche Pendant hingegen ausschließlich den großen Gefühlen vorbehalten. Dabei bleibt es dem einen oder anderen auch schon mal gerne im Hals stecken.

Ich liebe dich sagt man einzig und allein dem Allerliebsten, d.h. der Freundin, dem Freund, dem Ehemann oder der Ehefrau. Das war's! Nicht mehr und nicht weniger. Man sagt es weder zu den eigenen Eltern noch zu den eigenen Kindern.

Noch heute muss ich schmunzeln, wenn ich daran denke, dass ein ehemaliger A2-Schüler einmal zu mir sagte: “Ich liebe Sie. Ich mag Ihren Unterricht.” In diesem Fall wäre “Ich mag Sie” die passendere Wahl gewesen.

Vielleicht deshalb gibt es so viele Umwege in der deutschen Sprache.


Ich liebe dich — und leise Alternativen


Ich hab dich lieb
ist die kleine Schwester von “Ich liebe dich”. Geeignet für die eigenen Kinder, Eltern, Freundschaften, Verwandte, oder wenn man noch nicht bereit ist, das ganze Gewicht der Liebe auszusprechen. Eine Art Sicherheitsnetz mit Gefühl.

Du bedeutest mir viel ist für alle, die das L-Wort noch nicht über die Lippen bringen. Eine Brücke zwischen Zuneigung und Bekenntnis.

Ich mag dich klingt bescheiden, fast schüchtern. Aber manchmal sagt gerade diese Zurückhaltung mehr als jede Überschwänglichkeit.

Und dann gibt es die Varianten ohne Worte: Die gekochte Suppe, wenn jemand krank ist. Das “Fahr vorsichtig” beim Abschied. Die Einladung zu Kaffee und Kuchen.

Die deutsche Sprache mag sparsam sein mit Liebeserklärungen. Aber vielleicht macht genau das den Moment so bedeutsam, wenn die drei Worte dann doch fallen.

Ich liebe dich – selten gesagt, aber wenn, dann gemeint.

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Critique littéraire # 1 - Sabrina Philippe: Tu verras, les âmes se retrouvent toujours quelque part, 2017, Éditions Points.